Geliebt werden trotz Minderwertigkeitskomplexen?

Minderwertigkeitskomplexe können verheerende Auswirkungen auf eine Beziehung haben.

Ein Beispiel?

Stephan liebt Julia. Stephan hat ein geringes Selbstwertgefühl. Das rührt größtenteils daher, dass er sich von seiner Mutter nicht geliebt gefühlt hat.

(Was nicht heißt, dass ein geringes Selbstwertgefühl immer daher rührt, dass man sich als Kind von der Mutter ungeliebt gefühlt hat. Es gibt viele andere Ursachen für Minderwertigkeitskomplexe, und es gibt tatsächlich auch viele Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl, die sehr liebevolle Eltern hatten).

Das Überraschende: Julia liebt ihn auch.

Und damit hat er Probleme. Denn es passt nicht zu seinem Selbstbild. Stephan selbst sieht sich als unwürdig an, als jemand mit einem geringeren Wert.

Wie kann Julia ihn da lieben?

Offensichtlich muss sie einen Fehler gemacht haben.

Aber nichts desto trotz: er liebt sie, und eine Beziehung beginnt.

Doch insgeheim weiß er, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Julia herausfindet was für ein Versager er doch ist. Sie wird sich denken: “Der hat mich doch garnicht verdient” und sich jemanden suchen, der besser für sie ist.

So denkt Stephan. Ganz tief in sich drin, es ist sozusagen sein dunkles Geheimnis. Ein schwarzes Loch in seinem Herzen.

Und wie es mit der menschlichen Natur so ist: das was wir denken und fühlen beeinflusst wie wir handeln.

Stephan liebt Julia tatsächlich. Er will das beste für sie.

Er genießt die Zeit mit ihr und wünscht sich, dass die Beziehung Bestand hält.

Aber gleichzeitig weiß er, dass er nicht der richtige für sie ist. Und weil er sich das Beste für sie wünscht, beginnt er, Dinge zu tun die ihr dabei helfen werden herauszufinden, dass er nicht der Richtige für sie ist.

(Klingt das ganz schön verquer? Ja. Sogar so sehr, dass selbst Stephan sich dessen garnicht bewusst ist. Sein Unterbewusstsein steuert heimlich sein Handeln).

Und mit der Zeit beginnen die Sabotageakte ihre Wirkung zu zeigen: Julia reagiert befremdet auf das Verhalten von Stephan.

Stephan ist manchmal abwesend – auch wenn er da ist, scheint er mit irgendetwas abgelenkt zu sein. Manchmal meldet er sich einige Tage überhaupt nicht, und scheint Julia regelrecht zu vermeiden.

Stephan tut das, weil er weiß dass er nicht der Richtige für Julia ist, und insgeheim ein schlechtes Gewissen hat. Auch wenn er sich dessen garnicht so explizit bewusst ist. Was er jedoch weiß, ist dass er Julia manchmal tatsächlich am liebsten aus dem Weg geht, obwohl er sie liebt.

Und Julia? Nun, sie versucht damit zurecht zu kommen. Und schließlich ist ihre Beziehung trotzdem meistens noch schön, und jedes Päärchen hat ja so seine Themen. “Ich bin ja auch nicht perfekt”, denkt sich Julia.

Je mehr Julia zu ihm hält, desto stärker wird in ihm das Bedürfnis etwas zu tun, das seine schlimmsten Befürchtungen endlich bestätigt und dem ganzen ein Ende setzt.

Eines Tages steigt er mit einer anderen Frau ins Bett – es ist rein sexuell. Er empfindet nichts für sie – und seine Beziehung mit Julia ist ja sowieso zum Scheitern verurteilt. Einerseits hat er ein schlechtes Gewissen deswegen, andererseits… vielleicht ist das ja sogar besser für Julia, Frauen haben ja oft ein Gespür für sowas. Gut für ihre Beziehung kann das jedenfalls nicht sein, und wenn es sie früher auseinandertreibt, dann kann Julia wenigstens früher jemanden finden, der sie verdient hat.

(Klingt das verrückt? Nun, wir Menschen sind oft weniger rationell und logisch, als wir selbst annehmen. Wir sind uns solcher Prozesse auch nicht bewusst, sondern handeln oft ohne uns der dahinterliegenden Motive klar bewusst zu sein. Und: auf welche Art und Weise ein Mensch mit Minderwertigkeitskomplexen eine Beziehung sabotiert kann ganz unterschiedlich sein. Stephan’s Strategien sind nur ein Beispiel).

Und es kommt wie es kommen muss: früher oder später zerbricht die Beziehung. (“Ich hab’s ja von Anfang an gewusst”, denkt sich Stephan).

Er ist niedergeschlagen, traurig, depressiv, wütend auf sich selbst… aber auch auf seltsame Art erleichtert. Er selbst kann es sich nicht erklären – doch wenn er sein Unterbewusstes verstehen könnte, dann wüsste er woher dieses Gefühl stammt: er hat sein Selbstbild bestätigt gefunden, seine eigene Identität. Und das ist wichtig. Denn es ist sehr beängstigend herauszufinden, nicht der Mensch zu sein für den man sich selbst hält. Selbst wenn das heißt, dass man herausfinden würde, eigentlich doch viel besser zu sein als man selbst von sich annimmt).

Gerade weil Minderwertigkeitskomplexe unser Leben auf oft solch eine subtile und unterschwellige Art beeinflussen kann Hypnose ein sehr wirksames Werkzeug sein, um ein gesundes und starkes Selbstwertgefühl aufzubauen.

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